|

Digitalisierung ist kein Technologiethema...

...aber ohne Technologie geht es auch nicht

Digitalisierung? Das ist doch Aufgabe der IT! Unsere Reisekostenanträge sollen optimiert werden? Dann müssen die Softwareentwickler*innen den Prozess halt in einer App abbilden! Wer so über die aktuelle Revolution unserer (Arbeits-)Welt denkt, ist leider immer noch von gestern. Einen schlechten Papierprozess mit vielen Genehmigungen durch einen genauso schlechten digitalen Prozess abzulösen – super Idee. Digitalisierung ist viel, viel mehr.

Der Begriff wird inzwischen inflationär verwendet. Alles ist „digital“, oft erweitert um Begriffe wie „Revolution“, „Business“ oder „Life“. Und genau dieser Begriff „Digital Life“ trifft aus meiner Sicht den wahren Kern der Veränderung unserer Arbeitswelt und unserer Gesellschaft. Fangen wir doch mal mit der Technologie an: Getrieben von der „Consumerization of IT“ – also der Verwendung von Geräten aus dem privaten Umfeld wie Smartphones, Tablets und ähnlichen auch im geschäftlichen Umfeld – verändern sich unser Verhalten und vor allem auch unsere Erwartungshaltung.

Warum muss ich in der Firma eine Bedarfsmeldung zur Erstellung einer Bestellung auslösen? Wieso kann ich nicht einfach im Onlineshop meines Lieferanten bestellen und mit PayPal die Transaktion abschließen? Aus welchem Grund darf ich die sinnvollen Anwendungen auf meinem Smartphone, die mir privat ganz viele Dinge abnehmen, nicht auch in der Firma verwenden? Okay, nun einfach mit „Bring your own device“ den Einsatz privater Geräte in der Firma zu ermöglichen, ohne Infrastruktur, Systeme und Prozesse an diese Gegebenheiten anzupassen, ist auch nicht die richtige Lösung. Aber vielleicht ein Anfang ...


Arbeitsumgebung und Führungsmodelle werden Teil der Digitalisierung

Neben der gestiegenen Erwartung einer einfachen Bedienung von Business-Anwendungen auf Smartphone & Co. (Frage: Gibt es eigentlich noch Benutzer, die einen Desktop-PC haben wollen?) ändern sich aber im gleichen Ausmaß die Anforderungen und Wünsche an die Arbeitsumgebung, die Führungsmodelle und Methoden in Unternehmen. Beispiel Gleitzeit: Schnee von gestern. Kein Mensch möchte inzwischen die Wahlfreiheit mehr haben, zwischen 8:00 und 9:00 Uhr die Arbeit zu beginnen. Die Generation der Millennials – gerne auch Generation Y genannt –, also die um 1990 geborenen Mitarbeiter, strebt nach der freien Wahl der Arbeitszeit und des Arbeitsortes. Keine Home-Office-Möglichkeit? Vergiss es! Feste Arbeitszeiten? Geht ja gar nicht! Trotzdem aber natürlich faire Bezahlung, viele Benefits und vor allem interessante Projekte.

Auch die Arbeitsumgebung muss auf den Prüfstand. „Zellenbüros“ mit grauen Möbeln für die Mitarbeiter und ein Einzelbüro mit Glastisch für den Chef? Langweilig. Unterschiedliche Arbeitszonen für ruhiges Arbeiten, kooperatives
Arbeiten oder kreatives Arbeiten sind angesagt. Gerne auch gar keine fest zugeteilten Arbeitsplätze mehr – New Work statt Büroalltag. Hierarchie? Auch keinen Bock drauf. Das Team gewinnt – ein Chef muss nicht sein. Eventuell müssen ja auch die Führungsmodelle und -methoden komplett infrage gestellt und soziokratische Ansätze wie „Holocracy“
oder „agile Führung“ eingeführt werden. Alles Alte ist zu hinterfragen und neu zu denken.

Weitere Themen sind formelle Kleidung (Trägt eigentlich noch jemand Krawatten?) oder Initiativen wie #gerneperdu. Warum auch nicht? In jeder Generation gibt es Veränderungen und jede Veränderung bringt uns weiter. Und wenn es sich als Fehler herausstellen sollte, dann können wir es gemeinsam auch wieder rückgängig machen. Aber wir haben es dann wenigstens versucht. Und wenn es besser werden soll, dann muss es manchmal einfach anders werden. Sonst sind heutige Unternehmen klassischer Prägung und Kultur irgendwann nur noch eine Fußnote der Geschichte.

Dieser Beitrag ist erstmals in unserem Jahresbericht „Report 2019“ erschienen.

Sie wollen mehr über das Thema Digitalisierung und unsere Projekte erfahren? Dann lesen Sie hier weiter:
  • BDU - Bundesverband Deutscher Unternehmensberater e.V.
  • Top Empleyer - Automotive Deutschland 2016
  • kununu - Top Company
  • EY Entrepreneur des Jahres 2013
  • Fair Company 2015
  • TÜV Süd - ISO 9001
  • Beste Berater 2015
  • Deutschlands kundenorientierte Dienstleister 2011
  • Top 100 - 2011
  • TOP Consultant